Gedicht “Angst”


Angst

Der Wolf liegt faul auf frischem Klee
Im Bauch verdaut das junge Reh
Ein Frosch, der sitzt gleich nebenan
Blickt, wie es nur ein Fröschlein kann

Dem Wolf ist nach Gespräch zumute
Dem grünen Breitmaul kommts zugute
“Warum”, so spricht der Isegrim
“Ist deine Furcht so gross und schlimm”?

“Falsch ist es, dass du denkst, ich sei
Gar ängstlich und so nebenbei
Behaupte ich, höre gut zu
Wer schreckhaft ist, bist du”!

“Du kleiner frecher Hüpfinsgras
Machst mir mit deinen Worten Spass
Nur treib es bitte nicht zu bunt
Es ist noch Platz in meinem Mund”!

“Sieh doch, gerade wieder ist`s bewiesen
Aus Worten, Wolf, wie diesen
Die Angst gebiehrt die Aggression
Warte ab, ich erkläre schon”:

“Du fühlst dich wohl, wenn du voll Macht
Doch wehe, jemand dich verlacht
Hast Angst, die Herrschaft will vergehen
Kannst nicht mehr über andren stehen”

“Die Angst vor Hunger lässt dich reissen
Als Erster in die Beute beissen
Klar ist, du geiferst nach dem Rang
Weil du um deines Lebens bang”

“Stört irgendwer dir deine Kreise
Bekriegst du ihn auf jede Weise
Wäre wirklich Stärke dein
Würdest du gelassen sein”

Daraufhin lässt der Wolf die Pratze
Fallen auf des Frosches Glatze
Das Wahre schwer ist zu ertragen
Und tödlich oftmals, es zu sagen

(Dieter Ruh)

 

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