Von der Natur

Vor ein paar Tagen habe ich auf einer Wiese am Waldrand trainiert. Einsam und idyllisch gelegen, im Hinterland des Bodensees, eingebettet in eine leicht hügelige Landschaft. Der etwa drei Meter breite, offensichtlich wenig befahrene Versorgungsweg für die ländliche Arbeit des in etlicher Entfernung befindlichen Hofs, war noch mit dem herbst- und winterlich braunen Laub bedeckt, doch kündeten ein erstes Grün auf der Wiese und im Geäst der Bäume sowie die laue Brise bereits vom nahenden Frühling. Ein Hochstand war am Wegesrand aufgebaut, auf naturbelassenen Stämmen stabil drei bis vier Meter in die Höhe reichend. Zur späteren Nachmittagsstunde war die Luft…WeiterlesenVon der Natur

Von der Lebensfreude

Es gibt Musik, die Generationen überdauert. Die Gesangsgruppe “Comedian Harmonists”, welche in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg für Furore sorgte, hatte ein Lied in Ihrem Repertoire, welches es mir besonders angetan hat. Eine Textzeile daraus lautet: “Wenn ich wüsst’ wo das ist, ging’ ich in die Welt hinein, denn ich möcht’ einmal recht so von Herzen glücklich sein…” Wie oft träumen wir uns doch von Ferien zu Ferien, von Urlaub zu Urlaub und von der Zeit im Alter, wenn der berufliche Alltag nicht mehr unser Leben dominiert. Wir zehren von den kurzen oder längeren Spannen, in denen diese Träume…WeiterlesenVon der Lebensfreude

Jahreswechsel 2020/2021

Wieder einmal schweifen meine Gedanken in die Vergangenheit, an einen besonderen Tag, die Europameisterschaft 1980. Ich stand mit dem Team am Rande der Kampffläche. Wir hatten uns gemeinsam auf die erste Begegnung im Kumite vorbereitet und warteten auf den Beginn des Team-Wettbewerbs. Es war beim Bundestrainer und bei den anderen Teamkollegen bekannt, dass ich gerade vor dem ersten Kampf immer extrem nervös war (glücklicherweise war diese Nervosität mit Betreten der Kampffläche stets wie weggewischt). Ein Teamfreund, den ich seit Jahren schon kannte und den ich immer als außerordentlich cool eingeschätzt hatte, steht neben mir, spricht mich an und sagt “Ich…WeiterlesenJahreswechsel 2020/2021

Vom Gleichen im Vielen

Es ist – vielleicht werden wir diese Zeilen irgendwann einmal lesen ‚es war‘ – die Zeit der Covid-19 Pandemie. Was mir schon immer viel Freude gemacht hat, ist nun das Gebot der Stunde – das Training in kleinsten Gruppen, oder eben alleine. So finde ich nahezu täglich Erfüllung im Training in der Natur. Hauptsächlich in der Übung von Katas. Ich konnte mir nie vorstellen, wie bereichernd diese Form des Trainings sein kann. Vielleicht auch eine Frage der Erfahrung und des Alters. Es ist wunderschön, auf Wegen, kleinen Lichtungen, am Strand oder wo auch immer, die Bewegungen und Techniken auszuführen, die…WeiterlesenVom Gleichen im Vielen

Vom Weg

Es ist etlichste Jahre her, wir alle waren in der Blütezeit des Lebens und saßen nach intensivem Training an einem Tisch. Die Rede kam auf mich und Ochi Sensei zeichnete mit dem Finger eine Linie auf die Tischdecke und sagte in seiner unnachahmlichen Sprache: „Dieter gehen immer geraden Weg“! Ich war erstaunt und auch ein wenig stolz ob dieser Worte. Da malte er, seine Aussage von soeben relativierend, eine weite Schlangenlinie über die vorherige Linie und ergänzte lachend: „Vielleicht manchmal so, aber immer ‘geraden’ Weg“. Wir fielen alle in das Lachen ein und hatten weiter einen vergnüglichen Abend. Ich erinnere…WeiterlesenVom Weg

Vom Kampf gegen sich selbst

Man liest, hört in Erläuterungen und sieht auch in Videobeiträgen viele Interpretationen zum Thema Karate sei Zen in der Bewegung, über das Do, den Weg in den fernöstlichen Kampfkünsten, über die sogenannten traditionellen Werte und vieles mehr. Auch mich treibt seit vielen Jahren der Gedanke und die Frage immer wieder um, was denn nun tatsächlich der elementare Wert, der humanistisch wertvolle Aspekt sein kann, der sich hinter der immer wieder auf‘s neue in diesem Zusammenhang doch paradoxen Beschäftigung mit dem Kampf verbirgt. Was soll denn hier denn auch nur ansatzweise ethisch sein, wenn man Techniken erlernt, welche darauf abzielen in…WeiterlesenVom Kampf gegen sich selbst

Am Fluss

Es sind jene Zeiten der Besinnung, vornehmlich die letzten Wochen des Jahres, welche in besonderem Maße den Wunsch nach Harmonie und Frieden aufzeigen. In dieser Stimmung sind die Verse entstanden, inspiriert von den Stunden, welche ich während eines Aufenthalts in der Provence zum Jahreswechsel am Ufer der Gardon verbringen durfte. Gedanken, in denen aber auch mitschwingt, wie endlich doch alles ist und wie manchmal in diesem Erkennen der eigene Wunsch nach Veränderung spricht. Nun, was hindert uns daran, immer wieder diesem Wandel stattzugeben? Ich wünsche Dir Erfolg und tiefe Zufriedenheit dabei.WeiterlesenAm Fluss

Hingabe und Harmonie

Wenn ich meine früheren Texte lese, diesen Gedanken nachsinne, so ist wohl den meisten Schriften eine Grundtendenz gemeinsam: Karate als einen Weg begreifen zu wollen. Einen Weg, der, wie es so schön heißt, geradlinig und treu zu zu gehen sei. Ein schönes Ansinnen, eine Hilfestellung, denn immerhin wäre das dann doch eine Anleitung, die zwar schwer zu befolgen, aber dennoch, vorgezeichnet, die rechte Richtung weist, in welche es Fuß und Denken zu setzen gilt. Ach, wenn das Leben und auch das Karate nur so einfach wären … Heute, etliche Erfahrungen reicher, stelle ich mir die Frage, ob Karate nicht vielleicht…WeiterlesenHingabe und Harmonie

Vom Gegen- zum Miteinander

In seinem Buch “Die leere Hand” beschreibt Kenei Mabuni (10. Dan Shito Ryu) die Technik der Flammenwolke aus der Jigen-Schwertschule. Diese Technik zielte auf eine besondere Geschwindigkeit des Schwertschlags ab. Der Schlag soll wohl in einer Zeitspanne von ca. fünf hundertstel Sekunden erfolgt sein. Das wäre tatsächlich eine unglaubliche Geschwindigkeit, bedenkt man, dass ein Wimpernschlag etwa doppelt so lange benötigt. Ich stelle mir zwei Schwertkämpfer der Vergangenheit vor, die sich mit erhobenen Schwertern in Schlagdistanz gegenüber stehen. Bei der Geschwindigkeit des zu erwartenden Schlags ist es unmöglich, auf eine Bewegung zu reagieren. Denn jeder Gedanke und jeder Sinn wirken zu…WeiterlesenVom Gegen- zum Miteinander

Vom Teilen

Ein Aspekt: In einem Bericht, welchen ich vor geraumer Zeit gelesen habe, wurde auf das Ergebnis von Umfragewerten verwiesen, das besagt, die Menschen in den Ländern Skandinaviens seien die glücklichsten Menschen der Welt. Eine Begründung hat mich besonders aufmerksam werden lassen, denn, so die Beurteilung, dies läge wohl an der großen Sozialkompetenz der nordischen Gesellschaften. Es wurde ein Landwirt zitiert, der ob seiner Erträge herausragend ist. Seine Aussage war, dass sein Erfolg daraus resultiere, weil er seine Saat mit den umliegenden Landwirten teile. Somit sei sichergestellt, dass kein qualitativ schlechtes Saatgut auf seine Felder gelange. Ein Aspekt: Je länger ich…WeiterlesenVom Teilen