Vom inneren Schweinehund und vom Wohnwagenprinzip

imageFrüher sicher mehr als heute, habe ich eine Trainings-‘Strategie’ angewandt, welche folgendermaßen aussah: Ich habe mich in der ersten Hälfte des Trainings so intensiv dem Training hingegeben, dass ich nach dieser Zeit schon fast völlig verausgabt war, um dann die zweite Hälfte des Trainings rein mit Willenskraft und möglichst gleich bleibender Intensität weiter zu trainieren.

Die reine Trainingslehre mag das sicher kritisch betrachten, eventuell als Übermotivation oder Raubbau mit dem Körper abtun, vielleicht gar den Trainingserfolg in Frage stellen. Dem würde ich nicht in jedem Fall widersprechen wollen. Doch hat sich auf diese Weise mein Spirit immer weiter entwickelt, hat sich eine Grundhaltung des ‘ich schaffe das’, vor allen Dingen ein Ausschalten hinderlichen Denkens und ganz besonders ein Schweigen des sogenannten ‘inneren Schweinehundes’ herausgebildet.

Mit fortschreitenden Lebensjahren akzeptiere ich, dass ich ggf. das ein oder andere Mal ein wenig kürzer treten, mehr der Vernunft gehorchen sollte. Jedoch bin ich nach wie vor davon überzeugt, dass es ein dienlicher Weg ist, mehr über sich selber zu erfahren.

Nun, das ist meine Art; was mir jedoch auffällt ist, dass häufig sehr zurückhaltend Karate geübt wird. Zurückhaltend in dem wörtlichen Sinne, dass etwas zurück gehalten wird. Es ist für viele Menschen offenbar sehr schwierig, sich einem Tun völlig hinzugeben, sprichwörtlich aus sich heraus zu gehen. Als ob ein Gummiband die Technikausführung hemmt und verkrampft, ein Übermaß an Denken das freie Geschehen bremst. Vielleicht ist es der Gedanke, mit den Ressourcen haushalten zu müssen; man weiß ja nie, was die Zukunft bringt. Oder aber, dass es uns wohl sehr schwer fällt, einfach nur mal völlig im Hier und Jetzt aufzugehen. Weiterlesen

Von der offenen Türe und der leeren Hand

Eine Initiative mit Erfolg umgesetzt. Ich freue mich sehr, die Zuwanderer aus vielen Ländern der Welt in den Kursen begrüßen zu können. Danke, HSP der Universität Konstanz!

Eine Initiative mit Erfolg umgesetzt. Ich freue mich sehr, die Zuwanderer aus vielen Ländern der Welt in den Kursen begrüßen zu können. Danke, HSP der Universität Konstanz!

Dem Jahresende sich zuneigend, weicht die Zeit des Tages immer mehr der Dauer der Nacht, der Dunkelheit. Gedanken treiben mich um, Erinnerungen an Tage der Aufregung, Erinnerungen an die Nächte vor einer Meisterschaft. Oftmals war an Schlaf nicht zu denken, mein Sinnen war mit anderen Dingen beschäftigt. Und mit den Stunden, die ich mehr wartend denn schlafend im Bett lag und mir aufgeregt den kommenden Tag der Meisterschaft ausmalte, wurden die Gestalten derer, die mich im Kumite als Mitstreiter erwarten würden, immer größer, bedrohlicher. Wie könnte ich es schaffen, gegenüber diesen zu bestehen? War meine Vorbereitung ausreichend, meine Technik und vor allen Dingen mein Spirit genügend entwickelt? Viele Fragen, Ängste durchzogen meine nächtliche Stunden.

Dann der nächste Morgen, die Fahrt, der Gang zur Wettkampfhalle; ein vorsichtiges Abschätzen, taxierende Blicke und die Feststellung, dass alle potentiellen Kontrahenten Menschen waren, mal ein wenig kleiner und schmaler, mal ein wenig länger, mal ein wenig breiter als ich. Sportler, Karateka, die mit dem gleichen Ziel angereist waren, wie ich – erfolgreich zu sein, sich nach den Regeln des Wettkampfs zu messen, sich zu behaupten, im besten Fall den Sieg zu erringen.

Doch reichte diese Erkenntnis nicht ganz aus, mein Lampenfieber abzukühlen, erst das Hajime des Kampfrichters zum Start der ersten körperlichen Kommunikation auf der Kampffläche, brachte diese Emotionen zum Schweigen.

Und was davon erfüllte sich, das nächtens so sorgenvoll in Herz und Kopf gefühlt und gedacht war? Ein anstrengender Tag mit Höhen und Tiefen, auch mal mit Verletzungen, gipfelnd in einer freundschaftlich zugeneigten, geselligen Runde auf einer Party oder in irgendeinem Restaurant. Ein herrliches Gefühl, es geschafft zu haben, mit Freunden verbunden zu sein im gemeinsamen Erleben und Bestehen einer großen individuellen Herausforderung. Weiterlesen

Vom Ende des Kampfes

Kumite.jpg

Es ist nun schon etliche Jahre her, ich war damals noch im Außendienst tätig und viel im Auto unterwegs, da konnte ich eine Situation erleben, die ich seither nicht mehr aus dem Gedächtnis verloren habe:

Auf einer gut ausgebauten Landstraße setzte der Wagen vor mir zum Überholvorgang an, übersah den schnell nahenden Gegenverkehr, oder überschätzte die Beschleunigungsfähigkeit seines PKW. Ein wieder Einscheren war ab einem Zeitpunkt nicht mehr möglich, die Kollission schien nahezu unausweichlich. Beide Fahrer bremsten mit Vehemenz und kamen, einem Wunder gleich, wenige Meter, fast schien es mir Zentimeter, voreinander zum Stillstand. Ich war dem Geschehen unmittelbar nahe und wurde Zeuge eines wunderbaren Moments. Nein, kein Hupen, nein, kein Geschreie, keine wilde Gestik – die beiden Fahrer sahen sich an, lächelten, hoben die Hand zum Gruß. Ein Spurwechsel, beschleunigen und jeder fuhr wieder seiner Wege.

Würde ich ähnlich agiert und reagiert haben? Nun, ich weiss nur, dass es bestimmt sehr angenehm wäre, mit diesen beiden Menschen einen Abend im guten Gespräch zu verbringen.

Wie anders jedoch erleben wir in der Regel solche oder ähnliche Situationen, ob auf der Straße, dem Radweg, selbst im Kaufhaus und vielen anderen alltäglichen Begegnungen. In unserem Alltag, im Beruf wird zumeist Durchsetzungskraft gefordert, wird ein Spiel der Dominanz gespielt, gilt der Sieg als oberste Maxime. Wir kennen Sprüche, wie “das Recht des Stärkeren”, “Erfolg ist das Parfum des Mannes”, “der Obere regiert” und maximal als kleiner Trost, “der Klügere gibt nach”.

Wie immer, wenn ich etwas besser verstehen lernen will, überlege ich mir, was wohl das Karate hier zu sagen hat. Weiterlesen

Vom Herbst, oder von der Ernte

Tekki.JPGVor wenigen Wochen bin ich mit dem Zug durch den Schwarzwald gefahren. Die späte Nachmittagssonne hat die Gegend in ein leises Licht getaucht, einem Aquarell gleich die Farben sanft gezeichnet, dem Auge unaufdringlich dargereicht. Bereits abgeerntete Felder wechselten mit noch grünen Wiesen, gingen über in sich schon herbstlich schmückendes Laubwerk. Ein kleiner Fluss schlängelte sich nahe den Gleisen dahin, zerteilte dann die Auen und verlor sich meinem Blick. Eine liebliche, stille Welt. Eine Stille, welche ich nicht mit den Ohren gehört, vielmehr in meinem Innern gefühlt habe.

Wollte ich den Jahreszeiten Töne zuordnen, so wäre der Frühling erfüllt von tausenden Klängen, undefinierbar, nicht differenziert wahrnehmbar, ein wunderbares Konzert des Erwachens, ein Jung und ein Alt, ein Lachen und ein Singen, ein Summen und ein Klingen. Der Sommer wäre von ungestümen Lauten bestimmt, Glockenklang, Musik voller Rhythmus, laut und beherrschend. Der Herbst nun hört diese sommerlichen Klangwelten aus immer weiterer Ferne, sie entfernen sich mehr und mehr und werden ein leises Flüstern; fast einem Verstummen gleich, dann im Winter.
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Pfadfinder oder vom Vorausgehen

Vorausgehen“Wenn du nicht vorausgegangen, du nicht dabei gewesen wärst, dann hätte ich das nie geschafft.”

So oder ähnlich haben wir sicher alle schon einmal empfunden und gehört. Bei einer Wanderung, einer Prüfung oder ähnlichen Gelegenheiten. Dabei musste dennoch jeder Schritt alleine gegangen werden, niemand hat uns getragen, niemand die Aufgabe für uns gelöst.

Was war es, das uns geholfen hat, die Situation zu meistern? Der Gedanke, dass wenn es Andere schaffen, ich das ja auch kann? Oftmals aber ist es auch ein Folgen, ein sich führen lassen; wir gehen in den Fußstapfen der Vorausgehenden und sind plötzlich zu ungeahnten Leistungen fähig.

Doch bedarf es hierzu immer auch jener Menschen, welche neue Pfade begehen, die sich mutig aufmachen Neuland zu beschreiten, die nicht davor zurückschrecken der Bequemlichkeit des Gewohnten zu entsagen.

Ein kleines Büchlein habe ich vor Jahren gelesen, das mir hierzu in den Sinn kommt: “Die Mäusestrategie”. Es handelt von einer Mäusekolonie, die im gewohnten Umfeld keine Nahrung mehr findet und der die Vorräte ausgehen. Hungersnot droht. Sollen sie bleiben und sich weiter einschränken, oder sollen sie aufbrechen und nach neuer ertragreicher Heimat suchen, selbst auf die Gefahr hin, unterwegs das eigene Ende zu finden?

Zu allen Zeiten gab es Menschen, die sich in unbekannte Gestade aufgemacht haben, Entdecker, Pfadfinder, die vorausgegangen sind den Horizont zu erkunden und zu erweitern. Die dann davon gekündet haben, denen Menschen nachgefolgt sind und neue Heimstatt gefunden haben. Dies beschränkt sich natürlich nicht nur auf die physische Entdeckungsreise, sondern gilt für die geistige und spirituelle Entwicklung gleichermaßen.
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Von der Suche nach dem Gleichgewicht

Es ist nun schon viele Jahre her, dass ich Meisterschaften bestritten habe und dennoch erreichen mich immer wieder Erinnerungen aus dieser so intensiven Zeit. So auch vor ein paar Tagen, als ich einige Gleichgewichtsübungen auf einem Bein stehend trainierte. Ich erinnerte mich an eine Vorrunde im Kata-Wettbewerb. Angetreten war ich mit der Kata Empi, einer Kata, die ich schon viele Male vorgetragen hatte und mit der ich mich sehr sicher und verbunden fühlte. Doch bereits nach wenigen Techniken, beim ersten tiefen Vorsteppen im Kosa-Dachi verlor ich die Balance, wackelte, strauchelte nahezu. In jenem Moment war mir klar, dass an einen Einzug ins Finale nicht mehr zu denken war, die Enttäuschung darüber übermannte mich und ich brach den Vortrag ab, verbeugte mich und verließ die Kampffläche.

Auch heute, lange Zeit danach, ist mir dieses Erlebnis immer noch so präsent, als ob es gestern gewesen wäre. In mir macht sich dann die Überlegung breit, ob es richtig war, den Vortrag abzubrechen, aber vor allen Dingen, wie mir dieser Fehler passieren konnte. Die Technik hatte ich doch so viele hundert Male geübt und immer gut ausgependelt gestanden.

Pendeln – bei diesem Wort stand mir plötzlich der Begriff des Foucaultschen Pendels vor meinen Augen, literarisch meisterlich verpackt von Umberto Ecco in einem Roman, den ich vor geraumer Zeit gelesen hatte. Weiterlesen

Von der Geduld

ruhe_h400Den Entscheid, über das Thema Geduld zu schreiben, habe ich mir länger durchdenken müssen, ist doch gerade die Geduld nicht unbedingt eine Eigenschaft, die ich in mir als herausragend vermute. Doch wurde ich in meinem Leben und gerade auch in den vergangenen Wochen und Monaten, ob gerade dieser Tugend deutlich gefordert und geprüft. Was liegt da näher, als sich tiefere Gedanken darüber zu machen.

Ich frage mich, was es denn ist, das mich immer mal wieder so deutlich in die Ungeduld treibt.

Wann sind wir da?
Diesen Ruf von den hinteren Sitzen, spätestens 10 Minuten nach Abfahrt von zuhause, kennen sicher alle Eltern. Das Ziel lange vor der Zeit erreichen zu wollen; Kindesart, die wohl weit ins Erwachsenenleben überdauert.

Muss ich denn nicht noch etwas tun, damit sich der Erfolg auch wirklich einstellt? Ich kann doch nicht einfach tatenlos zusehen!
Wer kennt es nicht, den oftmals blinden Aktionismus, den wir in brisanten Situationen an den Tag legen, anstatt vertrauensvoll den Dingen ihren Lauf zu lassen.

Mach schnell, es kommt auf jede Sekunde an! Wir müssen das unbedingt schaffen!
Einer der absoluten Klassiker. Vor lauter Geschwindigkeit greift Unüberlegtheit und das Ergebnis ist meistens Chaos. Wie anders da doch die Idee, welche hinter einem mir sehr gerne ins Gedächtnis gerufenem Spruch steckt: “Mach langsam, es eilt!”

Es heißt, dass man mit den Jahren geduldiger würde. Das mag wohl stimmen, das Leben schleift die Ecken und Kanten in unserem Wesensprofil ab. Aber können wir nicht auch auf anderem Wege Geduld erlernen?

Diese Fragestellung ruft mir Situationen im Üben des Karate vor Augen und ich erkenne, wie viele Parallelen sich dabei wieder einmal auftun. Weiterlesen

Die Lagune, oder von der Achtsamkeit

Winterstimmung in Valras (Südfrankreich)

Winterstimmung in Valras, Südfrankreich (Foto: Fabienne Schreiber)

Wer kennt es nicht, das Gefühl, dass nur noch dieses oder jenes zu erledigen, zu bewältigen sei und dann würde alles gut, ab dann würde alles einfacher, das Leben nähme seinen glücklichen Lauf?

Ein bewegtes Bild kommt mir in den Sinn; ein Ruderboot auf offener See, das sich durch die Gischt eines Riffs kämpft, der Kapitän konzentriert bedacht, das Gefährt an Untiefen und Gefahren vorbei zu lenken, das Ziel, die ruhige Lagune vor Augen sowie im Bewusstsein, nur noch diese letzte Hürde überwinden zu müssen und dann erwartet ihn die Freude und der Friede des geschützten Gewässers, der Lohn der überstandenen Mühen.

Je länger ich mir dieses Bild vor Augen halte, umso mehr spüre ich förmlich die weisse Wasserflut in meinem Gesicht, fühle mich von den Wogen empor getragen, nur um dann wieder in rasender Fahrt ins Tal zu trudeln. Höre das Pfeifen des ungestümen Windes, der mich umstürmt und an mir zerrt, die Gewalten der Natur, gegen die es sich anzustemmen gilt, um nicht zu fallen. Und immer wieder sehe ich vor mir die Lagune, die grosse Verheissung, das Ziel meines Strebens nach Glück.

In diesem irren Tun, den Blick standhaft in die Ferne gerichtet, übersehe ich, dass die Wellen nicht ständig hoch schlagen, der Sturm mich nicht permanent umtost, der Himmel nicht nur wolkenverhangen und trüb ist.
Öffnete ich die Augen, sähe ich vielmehr, dass zu vielen Zeiten die Sonne mich berührt, Möwenlachen mich beschallt, sanfte Brise mich bestreicht; würde mir zur Erkenntnis, dass die Lagune Trugbild meiner Zukunftsprojektion ist, im Aussen niemals erreichbar. Ich sähe, dass das wahre Wesen meines Lebens diese Fahrt in meinem Boot ist, auf die es sich für mich zu konzentrieren gilt. Dessen gewahr, würden sich Sorgen, Ängste, falsche Begierden auflösen, würde ein Lächeln sich auf mein Gesicht legen, Erleichterung auf mein Gemüt im genussvoll achtsamen Treiben im Hier und Jetzt.

Achtsamkeit im Hier und Jetzt? Vielfach in Ratgebern und Weisheiten zitiert; doch stellt sich die Frage, wie dies zu erreichen, wie solcherart Geistesgegenwart zu üben sei? Weiterlesen

Vom rechten Sinn

seiza_h400In den späteren Kinder-, frühen Jugendjahren war mir ein Denkmuster zu eigen, Missgeschicke, welche mir widerfahren waren, in meinen Gedanken so zu drehen, zu wenden und zu interpretieren, dass es mir möglich war, immer auch die positive Seite des Geschehens zu finden. Tatsächlich war diesem Tun ein Suchen inne und im Entdecken dessen, was sich als Positives aufzeigte, war in mir dann eine grosse Zufriedenheit und Erleichterung, ein “dann ist ja alles gut”.

Das fiel mir natürlich nicht immer leicht, gerade in Phasen z.B. der gesundheitlichen Einschränkungen – und wie soll man etwas Gutes darin zu Tage bringen, wenn ein Stein, aus Wut geworfen, unglücklicherweise eine grosse, teure Fensterscheibe des Schulgebäudes zum Zerspringen bringt. Aber, ich glaube, es ist mir doch zumeist recht gut gelungen.

Wann mir dieses optimistische, vielleicht manchmal auch ein wenig naive Denken abhanden gekommen, zumindest sehr stark abgeflacht ist, das kann ich nicht mehr bestimmen, vielleicht im Zuge des Alltags im Erwachsen werden.

In der zurückliegenden Advents- und Weihnachtszeit ist mir jedoch vieles wieder in die Erinnerung gelangt. Ich verspürte in mir, bemerkte in meinem Umfeld den Wunsch und die Bemühung, den Menschen, welche einem nahestehen, die man liebt, diese Zeit unbedingt zur Freude machen zu wollen. Dies Streben nach Harmonie, nach Lächeln und glücklichen, besinnlichen Momenten birgt allerdings immer auch die Gefahr in sich über das Ziel hinaus zu schiessen und manchmal eher Spannung als Entspannung hervorzurufen. Doch ist nicht die Bemühung, allein der gute Vorsatz bereits von höchstem Wert?

Gilt nicht Ähnliches auch für die guten Vorsätze, welche wir uns stets zum Jahresbeginn mit schönsten Farben und euphorisch in den Sinn malen? Eine Zeitlang verfolgen wir diese Absicht mit grosser Akribie, vielleicht sogar mit einem gewissen Maß an Verbissenheit, bis die Begeisterung mehr und mehr verblasst, bald nichts mehr davon zu sehen ist. Dann macht sich oftmals Enttäuschung breit und der nächste Schritt wird gar nicht erst in Angriff genommen. Weiterlesen

Vom Älterwerden

Spagat 2013

01. Oktober 2013 / In den ‘Les Alpilles’ (Provence)

“Wenn ich einmal so alt bin, wie Du, dann kann ich auch so viel trainieren.” Diese Bemerkung konnte ich im ersten Moment gar nicht so richtig einordnen, ist doch körperliches Vermögen eher den jüngeren Jahren beigefügt, denn den späteren. Im Nachdenken wurde mir jedoch dankbar der besondere Wert dieser Aussage bewusst, denn seit ein paar Jahren konnte ich doch tatsächlich mein Trainingspensum trotz älter werdenden Körpers sukzessiv immer weiter erhöhen.

Es wäre vermessen zu denken, dass mein Körper mit den Jahren eben robuster, fähiger geworden sei, nein, auch an mir geht die Zeit nicht vorüber. Doch wo in jüngeren Jahren der Wunsch des Nachfühlens einer besonders starken Technik, ein langes Kime, das Verharren im Endpunkt der vermeintlichen Kraft, der Stolz auf diese Befähigung in mir war, ist es mir heute eher wichtig, inspiriert durch grossartige Meister, die Technik aus gefestigter Mitte sowie ruhigem Geist zu entfalten und entspannt ‘geschehen’ zu lassen.

Gelingt mir dies, so ist der Lohn in Kihon, am Makiwara, in der Kata und besonders auch im Kumite eine grösste Intensität bei minimalstem Aufwand; gelingt mir dies nicht, was leider immer noch der häufigere Fall ist, dann besteht der zweifelhafte Lohn aus Erschöpfung und längerer Regenerationszeit. Hier verspüre ich dann doch schmerzhaft den Biss des Zahns der Zeit. Gleichwohl nehme ich diese Pein gerne an, mahnt sie mich ja zur weiteren Übung. Hingegen, wie gesagt, wenn es gelingt, dann – GOLD!

In wenigen Wochen bewegt sich mein Lebensalter in das letzte Drittel der 50er, wehen mir ab und an Gedanken über das Älterwerden in den Sinn, empfinde ich einen Anflug von Endlichkeit, weiss ich um die Unabwendbarkeit des Nachlassens gerade körperlicher Fähigkeiten. Weiterlesen