Vom inneren Schweinehund und vom Wohnwagenprinzip

[ Vom inneren Schweinehund und vom Wohnwagenprinzip ] Früher sicher mehr als heute, habe ich eine Trainings-‘Strategie’ angewandt, welche folgendermaßen aussah: Ich habe mich in der ersten Hälfte des Trainings so intensiv dem Training hingegeben, dass ich nach dieser Zeit schon fast völlig verausgabt war, um dann die zweite Hälfte des Trainings rein mit Willenskraft und möglichst gleich bleibender Intensität weiter zu trainieren. Die reine Trainingslehre mag das sicher kritisch betrachten, eventuell als Übermotivation oder Raubbau mit dem Körper abtun, vielleicht gar den Trainingserfolg in Frage stellen. Dem würde ich nicht in jedem Fall widersprechen wollen. Doch hat sich auf…WeiterlesenVom inneren Schweinehund und vom Wohnwagenprinzip

Von der offenen Türe und der leeren Hand

[ Von der offenen Türe und der leeren Hand ] Dem Jahresende sich zuneigend, weicht die Zeit des Tages immer mehr der Dauer der Nacht, der Dunkelheit. Gedanken treiben mich um, Erinnerungen an Tage der Aufregung, Erinnerungen an die Nächte vor einer Meisterschaft. Oftmals war an Schlaf nicht zu denken, mein Sinnen war mit anderen Dingen beschäftigt. Und mit den Stunden, die ich mehr wartend denn schlafend im Bett lag und mir aufgeregt den kommenden Tag der Meisterschaft ausmalte, wurden die Gestalten derer, die mich im Kumite als Mitstreiter erwarten würden, immer größer, bedrohlicher. Wie könnte ich es schaffen, gegenüber…WeiterlesenVon der offenen Türe und der leeren Hand

Vom Ende des Kampfes

[ Vom Ende des Kampfes ] Es ist nun schon etliche Jahre her, ich war damals noch im Außendienst tätig und viel im Auto unterwegs, da konnte ich eine Situation erleben, die ich seither nicht mehr aus dem Gedächtnis verloren habe: Auf einer gut ausgebauten Landstraße setzte der Wagen vor mir zum Überholvorgang an, übersah den schnell nahenden Gegenverkehr, oder überschätzte die Beschleunigungsfähigkeit seines PKW. Ein wieder Einscheren war ab einem Zeitpunkt nicht mehr möglich, die Kollission schien nahezu unausweichlich. Beide Fahrer bremsten mit Vehemenz und kamen, einem Wunder gleich, wenige Meter, fast schien es mir Zentimeter, voreinander zum Stillstand.…WeiterlesenVom Ende des Kampfes

Vom Herbst, oder von der Ernte

[ Vom Herbst, oder von der Ernte ] Vor wenigen Wochen bin ich mit dem Zug durch den Schwarzwald gefahren. Die späte Nachmittagssonne hat die Gegend in ein leises Licht getaucht, einem Aquarell gleich die Farben sanft gezeichnet, dem Auge unaufdringlich dargereicht. Bereits abgeerntete Felder wechselten mit noch grünen Wiesen, gingen über in sich schon herbstlich schmückendes Laubwerk. Ein kleiner Fluss schlängelte sich nahe den Gleisen dahin, zerteilte dann die Auen und verlor sich meinem Blick. Eine liebliche, stille Welt. Eine Stille, welche ich nicht mit den Ohren gehört, vielmehr in meinem Innern gefühlt habe. Wollte ich den Jahreszeiten Töne…WeiterlesenVom Herbst, oder von der Ernte

Pfadfinder oder vom Vorausgehen

[ Pfadfinder oder vom Vorausgehen ] “Wenn du nicht vorausgegangen, du nicht dabei gewesen wärst, dann hätte ich das nie geschafft.” So oder ähnlich haben wir sicher alle schon einmal empfunden und gehört. Bei einer Wanderung, einer Prüfung oder ähnlichen Gelegenheiten. Dabei musste dennoch jeder Schritt alleine gegangen werden, niemand hat uns getragen, niemand die Aufgabe für uns gelöst. Was war es, das uns geholfen hat, die Situation zu meistern? Der Gedanke, dass wenn es Andere schaffen, ich das ja auch kann? Oftmals aber ist es auch ein Folgen, ein sich führen lassen; wir gehen in den Fußstapfen der Vorausgehenden…WeiterlesenPfadfinder oder vom Vorausgehen

Von der Suche nach dem Gleichgewicht

[ Von der Suche nach dem Gleichgewicht ] Es ist nun schon viele Jahre her, dass ich Meisterschaften bestritten habe und dennoch erreichen mich immer wieder Erinnerungen aus dieser so intensiven Zeit. So auch vor ein paar Tagen, als ich einige Gleichgewichtsübungen auf einem Bein stehend trainierte. Ich erinnerte mich an eine Vorrunde im Kata-Wettbewerb. Angetreten war ich mit der Kata Empi, einer Kata, die ich schon viele Male vorgetragen hatte und mit der ich mich sehr sicher und verbunden fühlte. Doch bereits nach wenigen Techniken, beim ersten tiefen Vorsteppen im Kosa-Dachi verlor ich die Balance, wackelte, strauchelte nahezu. In…WeiterlesenVon der Suche nach dem Gleichgewicht

Von der Geduld

[ Von der Geduld ] Den Entscheid, über das Thema Geduld zu schreiben, habe ich mir länger durchdenken müssen, ist doch gerade die Geduld nicht unbedingt eine Eigenschaft, die ich in mir als herausragend vermute. Doch wurde ich in meinem Leben und gerade auch in den vergangenen Wochen und Monaten, ob gerade dieser Tugend deutlich gefordert und geprüft. Was liegt da näher, als sich tiefere Gedanken darüber zu machen. Ich frage mich, was es denn ist, das mich immer mal wieder so deutlich in die Ungeduld treibt. Wann sind wir da? Diesen Ruf von den hinteren Sitzen, spätestens 10 Minuten…WeiterlesenVon der Geduld

Die Lagune, oder von der Achtsamkeit

[ Die Lagune, oder von der Achtsamkeit ] Wer kennt es nicht, das Gefühl, dass nur noch dieses oder jenes zu erledigen, zu bewältigen sei und dann würde alles gut, ab dann würde alles einfacher, das Leben nähme seinen glücklichen Lauf? Ein bewegtes Bild kommt mir in den Sinn; ein Ruderboot auf offener See, das sich durch die Gischt eines Riffs kämpft, der Kapitän konzentriert bedacht, das Gefährt an Untiefen und Gefahren vorbei zu lenken, das Ziel, die ruhige Lagune vor Augen sowie im Bewusstsein, nur noch diese letzte Hürde überwinden zu müssen und dann erwartet ihn die Freude und…WeiterlesenDie Lagune, oder von der Achtsamkeit

Vom rechten Sinn

[ Vom rechten Sinn ] In den späteren Kinder-, frühen Jugendjahren war mir ein Denkmuster zu eigen, Missgeschicke, welche mir widerfahren waren, in meinen Gedanken so zu drehen, zu wenden und zu interpretieren, dass es mir möglich war, immer auch die positive Seite des Geschehens zu finden. Tatsächlich war diesem Tun ein Suchen inne und im Entdecken dessen, was sich als Positives aufzeigte, war in mir dann eine grosse Zufriedenheit und Erleichterung, ein “dann ist ja alles gut”. Das fiel mir natürlich nicht immer leicht, gerade in Phasen z.B. der gesundheitlichen Einschränkungen – und wie soll man etwas Gutes darin…WeiterlesenVom rechten Sinn

Vom Älterwerden

[ Vom Älterwerden ] “Wenn ich einmal so alt bin, wie Du, dann kann ich auch so viel trainieren.” Diese Bemerkung konnte ich im ersten Moment gar nicht so richtig einordnen, ist doch körperliches Vermögen eher den jüngeren Jahren beigefügt, denn den späteren. Im Nachdenken wurde mir jedoch dankbar der besondere Wert dieser Aussage bewusst, denn seit ein paar Jahren konnte ich doch tatsächlich mein Trainingspensum trotz älter werdenden Körpers sukzessiv immer weiter erhöhen. Es wäre vermessen zu denken, dass mein Körper mit den Jahren eben robuster, fähiger geworden sei, nein, auch an mir geht die Zeit nicht vorüber. Doch wo…WeiterlesenVom Älterwerden