Gedankensplitter & Gedichte


Gipfel

Wie Wanderer zum Gipfel,
Zum Ideale drängt es mich
Erfüllung zu erfahren
An Perfektionen hänge ich

Doch weiss, wer auf dem Berge stand
Oft auch das Mittelmass zu loben
Denn sturmumtost ist höchster Platz
Und höher mal zu mal das Oben

Gewiss, dass wenn auf halber Höhe lebst
Du manchem Sturme kannst entfliehn
Nur, hör den Ruf der Gipfel ich im Herzen
Werd ich wohl wieder ziehn

(Dieter Ruh)


Anfang

Der Baum wird zu Erde
Gibt Leben dem Wald
Das Ende weicht
Sobald erreicht
Dem neuen Beginn
Ewiger Wandel
Der Vergänglichkeit

Betrachte den Kreis
So hast du Beweis
Was ewig ist
Von keinem Anfang weiss

(Dieter Ruh)


Wegweiser

Siehst du im Fluss das Zweiglein treiben
Bedenke auch des Lebens Sinn
So schwebest auf des Schicksals Wogen
Du selbst zum vorbestimmten Ufer hin

Nur schwer erkennbar ist der Weg
Den dir der Einheit Sein beschert
Denn durch dein Sehnen nach dem Ziel
Ist dir der Blick darauf verwehrt

Befreit von Zielen und Erwartung
Und der Gedankenspiele Wahn
Bedenk vergangnen Lebenspfad
Find nächsten Schritt, die rechte Tat

Doch wenn du gar nichts mehr begehrst
Dich selbst vom eignen Ich entleerst
Dann hört auch all dein Suchen auf
Wirst eins du mit der Welten Lauf

(Dieter Ruh)


Leben

Der Welt Gesetz, das ist der Kampf
Nicht zu umgehen, hat´s den Schein
Der Mensch jedoch, der kann bedenken
Ob es denn wirklich muss so sein

Denn der Gewinner ahnt, schon wenn
Er siegt, dass er einmal verliert
Dass auch für ihn der Zeitpunkt kommt
An dem ihn Leid berührt

Fühlst du des Leidens Schrecken
Sehnst du dich nach dem Glück
Du denkst es zum Gewissen
Und kannst nicht mehr zurück

Willst du dann nicht mehr kämpfen
Musst du ein starker Kämpfer sein
Doch setz die Kraft nicht gegen andere
Nur gegen Dich alleine ein

Und lässt du ab nach Streit
Noch Macht und Gut zu streben
Siehst du des Friedens Freude
Erkennst des Gebens Segen

(Dieter Ruh)


Sein

Ich weiss, dass
Ich nicht weiss
So denke ich

Doch da ich bin
Ist mir auch Wissen
Das fühle ich

Dies Ahnen
Trügt mich nicht
Denke ich

Ich denke
Daher weiss ich –
Nichts!

Das Wissen um
Sein und Leben
Wohl erst der Tod
Wird es mir geben

(Dieter Ruh)


Ich

Das leise Bewegen
Der Blätter im Regen
Gedanken treiben leicht dahin
Forschen nach des Lebens Sinn

Ein Tropfen könnte ich doch sein
Im morgendlichen Sonnenschein
Das Nass, das sich dorthin verloren
Aus nächtlich kühlem Tau geboren

Doch falle von dem Laub ich ab
Werd’ ich vom Boden aufgesogen
Verström ich mich im sandigen Grab
So wird mein Ich mir jäh entzogen

Es wird geteilt und dient dem Grün
Dem Fluss, dem Tier zur Nahrung
Nur, wo bleibt die Identität
Ist meine Ich-Erfahrung?

Und steht die Sonne im Zenit
Entlockt den Dunst dem Boden
Steigt das, was einst mein eigen war
Kleinstens zerteilt nach oben

Vermischt sich ändert sich dabei
Mit dem unzähligen Vielerlei
Verbindet sich und nimmt Gestalt
Ein Tropfen mit neuem Gehalt

Fällt wiederum zur Erde nieder
Führt fort das grosse Spiel
Der ewige Kreislauf immer wieder
Ein Wandel ohne Ziel?

Ich frage mich, bin ich denn mehr
Als dieser Wassertropfen?
Wenn ich einst änder die Gestalt
Wo macht der Wandel halt?

Ist’s nicht vielleicht doch letzlich
Dass nichts als Einheit bleibt
Auch Seele, Geist, ja all mein Ich
Im Tod in Vielheit dann enteilt

Ich fühl den Trug erkenn den Fron
Des Lebens Illusion
Das Wesen allen Seins
Nichts eigen gibt es und kein Teil
Ich bin mit allem eins!

(Dieter Ruh)


Angst

Der Wolf liegt faul auf frischem Klee
Im Bauch verdaut das junge Reh
Ein Frosch, der sitzt gleich nebenan
Blickt, wie es nur ein Fröschlein kann

Dem Wolf ist nach Gespräch zumute
Dem grünen Breitmaul kommts zugute
“Warum”, so spricht der Isegrim
“Ist deine Furcht so gross und schlimm”?

“Falsch ist es, dass du denkst, ich sei
Gar ängstlich und so nebenbei
Behaupte ich, höre gut zu
Wer schreckhaft ist, bist du”!

“Du kleiner frecher Hüpfinsgras
Machst mir mit deinen Worten Spass
Nur treib es bitte nicht zu bunt
Es ist noch Platz in meinem Mund”!

“Sieh doch, gerade wieder ist`s bewiesen
Aus Worten, Wolf, wie diesen
Die Angst gebiehrt die Aggression
Warte ab, ich erkläre schon”:

“Du fühlst dich wohl, wenn du voll Macht
Doch wehe, jemand dich verlacht
Hast Angst, die Herrschaft will vergehen
Kannst nicht mehr über andren stehen”

“Die Angst vor Hunger lässt dich reissen
Als Erster in die Beute beissen
Klar ist, du geiferst nach dem Rang
Weil du um deines Lebens bang”

“Stört irgendwer dir deine Kreise
Bekriegst du ihn auf jede Weise
Wäre wirklich Stärke dein
Würdest du gelassen sein”

Daraufhin lässt der Wolf die Pratze
Fallen auf des Frosches Glatze
Das Wahre schwer ist zu ertragen
Und tödlich oftmals, es zu sagen

(Dieter Ruh)


DER FROSCH

(Ein kleines Nonsens-Gedicht)

Der Frosch ist grün
Sehr oft auch braun
Er liebt es nass
Im Lebensraum

Mal hüpft er hoch
Zumeist sehr weit
Mal fällt er hart
Am liebsten weich
In den Teich

Im Märchen küssen
Ihn die Frauen
Voller Grauen
Die wollen einen
Prinzen haben
Doch statt des
Stolzen Knaben
Liegt noch kokett
Der Frosch im Bett
Vielleicht auch konnte
Sie nicht küssen
Sie wird es wohl
Noch lernen müssen

Der Frosch, der geht
Auf allen Vieren
So ist es nun
Einmal bei Tieren
Klaut man ihm
Davon zwei
Ist`s mit dem Hüpfen
Schnell vorbei
Weshalb dies auch
Verwerflich sei

Der Mensch setzt
Gern den Frosch
Vom Gras ins Glas
Nur so zum Spass
Denn unwahr ist
Doch die Geschichte
Dass Petrus sich
Nach Fröschen richte

(Dieter Ruh)