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Kumite und Aggression

ushirogeri“Diesem TV-Duell der Spitzenpolitiker hat es an Aggressivität gefehlt”; der Spieler oder die Spielerin, der Kämpfer, die Kämpferin sind nicht aggressiv genug in die Zweikämpfe gegangen”…

So oder ähnlich lauten immer wieder die Kommentare und Moderationen in den Medien und auch in unseren eigenen analysierenden Gesprächen. Aggression wird als ein Mittel zum Erfolg gewertet und dargestellt; wer nicht genügend aggressiv agiert, wird als nicht ausreichend engagiert angesehen.

Im Fernsehen finden wir Sendungen, in denen aggressives Verhalten den streitenden Parteien geradezu aufgezwungen wird, um einen zweifelhaften Unterhaltungswert zu steigern. Für mich ein mehr als unsägliches Unterfangen, das ich in höchstem Masse abstossend empfinde, erinnert es mich doch an die voyeuristische Sensationsgier bei Hunde- oder Hahnenkämpfen.

Aber muss denn nicht in einem Wettbewerb, gerade einer körperlichen Auseinandersetzung, wie wir es auch im Karate-Kumite praktizieren, ein gewisses Mass an Aggression frei werden; ist es denn nicht der Durchsetzungsfähigkeit geradezu förderlich, diesem Gefühl Freiraum zu lassen? Weiterlesen

Vom Sinn des Kampfes

faust_300Ein Gedicht, welches ich bereits vor einiger Zeit verfasst habe, beginnt mit folgenden Zeilen:

Der Welt Gesetz, das ist der Kampf, nicht zu umgehen, hat´s den Schein,
der Mensch jedoch, der kann bedenken, ob es denn wirklich muss so sein …

Gedanken, die mich immer wieder umtreiben, befasse ich mich doch nahezu täglich körperlich und vor allen Dingen gedanklich mit der Kunst des Kämpfens, der Kampfkunst Karate. Immer wieder stellt sich mir dabei die Frage, wie Budo, der Weg des Kriegers und des Kampfes, mit den ethischen Ansprüchen der Gewaltlosigkeit zur Deckung zu bringen ist.

“Der Welt Gesetz, das ist der Kampf”! Was mich zu dieser Feststellung motiviert hatte, war eine Wanderung durch den heimatlichen Wald; volles würzig duftendes Grün, Freude durchströmte mich ob dieser friedlichen Welt, Harmonie kam in mir auf im Einsaugen der lieblichen Bilder und Gerüche, der sonnendurchwirkten Auen. Doch stand mir plötzlich vor meinem inneren Auge, wie trügerisch dieser Friede doch wohl sei, wo doch im ersten Betrachten unbemerkt und nahezu still, mich umgebend ein gnadenloser Wettbewerb um Licht und Nahrung, Fortbestand der eigenen Gattung, Abwehr von Widersachern und Parasiten tobte. Und machen wir Menschen nicht permanent die gleiche Erfahrung, dass wir uns einem Lebenskampf ausgesetzt fühlen, im Wettstreit nach Status, Geld und Gut, was uns Sicherheit und Wohlergehen garantieren soll? Weiterlesen