Tapferkeit

In den Jahren, welche ich nun Karate trainiere und mich für diese Kunst, aber auch deren geistige Hintergründe sowie die Ethik des Karate-Do interessiere, habe ich zwei Wortlaute des Dojokun, der Verhaltensregeln im Budo, kennengelernt. Beide haben sehr traditionelle Wurzeln.

Das erste Dojokun lautet:Mawashi
Sei höflich und bescheiden
Vervollkommne deinen Charakter
Sei geduldig und beherrscht
Sei gerecht und hilfsbereit
Sei mutig

Das zweite Dojokun lautet:
Eins ist –
Nach der Vollendung der Persönlichkeit streben
Den Weg der Wahrhaftigkeit bewahren
Den Geist der Bemühung entfalten
Den respektvollen Umgang hochschätzen
Sich vor unbesonnenem Mut in Acht nehmen

Grundsätzlich fordern beide Dojokun ähnliche ethische Verhaltensweisen, doch zeigt sich unterschiedlich im ersten Betrachten die letze Forderung. Während das eine Dojokun auffordert mutig zu sein, warnt das andere vor unbesonnenem Mut.

“Mut ist, die Angst zu überwinden”. Dieses Motto habe ich mir gerade dann immer wieder ins Gedächtnis gerufen, wenn ich auf Meisterschaften an den Start gegangen bin. Ängste sind mir wahrlich nicht fremd, vielmehr hatte ich immer grosse Furcht davor, den Anforderungen der Trainer, Teamkollegen und vor allen Dingen meinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden. Selbstverständlich schwang immer auch die Angst vor Verletzungen mit, oft genug war diese aufgrund meiner damals sehr offensiven Kampfweise auch nur allzu berechtigt. Ängste überwinden, sich der Situation stellen, einmal mehr aufstehen, als hinfallen, das sind alles sehr wichtige und nützliche Erfahrungen, an denen wir wachsen können.

Mutig sein, jedoch nicht unbesonnen mutig sein – vor Kurzem habe ich einen Ausspruch gelesen, der hier, so denke ich, wunderbar passt:

“Tapferkeit ist das rechte Mass zwischen Furcht und Übermut”

Ich finde, dass sich in diesem Satz die Verbindung offenbart zwischen den oben zitierten Verhaltensansprüchen “sei mutig” und “hüte dich vor unbesonnenem Mut”. Mir gefällt besonders, dass der Begriff der Tapferkeit hier letztlich die Furcht zulässt, ja, dass diese gar als ein Eckpfeiler – Furcht einerseits, Übermut andererseits – gedeutet ist.

Sicher können wir diese Betrachtung in etliche Situationen unseres Lebens spiegeln; das rechte Mass macht es aus.

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