Vom rechten Sinn

[ Vom rechten Sinn ]

In den späteren Kinder-, frühen Jugendjahren war mir ein Denkmuster zu eigen, Missgeschicke, welche mir widerfahren waren, in meinen Gedanken so zu drehen, zu wenden und zu interpretieren, dass es mir möglich war, immer auch die positive Seite des Geschehens zu finden. Tatsächlich war diesem Tun ein Suchen inne und im Entdecken dessen, was sich als Positives aufzeigte, war in mir dann eine grosse Zufriedenheit und Erleichterung, ein “dann ist ja alles gut”.

Das fiel mir natürlich nicht immer leicht, gerade in Phasen z.B. der gesundheitlichen Einschränkungen – und wie soll man etwas Gutes darin zu Tage bringen, wenn ein Stein, aus Wut geworfen, unglücklicherweise eine grosse, teure Fensterscheibe des Schulgebäudes zum Zerspringen bringt. Aber, ich glaube, es ist mir doch zumeist recht gut gelungen.

Wann mir dieses optimistische, vielleicht manchmal auch ein wenig naive Denken abhanden gekommen, zumindest sehr stark abgeflacht ist, das kann ich nicht mehr bestimmen, vielleicht im Zuge des Alltags im Erwachsen werden.

In der zurückliegenden Advents- und Weihnachtszeit ist mir jedoch vieles wieder in die Erinnerung gelangt. Ich verspürte in mir, bemerkte in meinem Umfeld den Wunsch und die Bemühung, den Menschen, welche einem nahestehen, die man liebt, diese Zeit unbedingt zur Freude machen zu wollen. Dies Streben nach Harmonie, nach Lächeln und glücklichen, besinnlichen Momenten birgt allerdings immer auch die Gefahr in sich über das Ziel hinaus zu schiessen und manchmal eher Spannung als Entspannung hervorzurufen. Doch ist nicht die Bemühung, allein der gute Vorsatz bereits von höchstem Wert?

Gilt nicht Ähnliches auch für die guten Vorsätze, welche wir uns stets zum Jahresbeginn mit schönsten Farben und euphorisch in den Sinn malen? Eine Zeitlang verfolgen wir diese Absicht mit grosser Akribie, vielleicht sogar mit einem gewissen Maß an Verbissenheit, bis die Begeisterung mehr und mehr verblasst, bald nichts mehr davon zu sehen ist. Dann macht sich oftmals Enttäuschung breit und der nächste Schritt wird gar nicht erst in Angriff genommen.

Ich habe dies oftmals auch im Umfeld des Karate verfolgen können. In den ersten Wochen des Jahres sind die Trainings voll, die Motivation sehr hoch. Doch mit der Zeit reduziert sich die Trainingshäufigkeit und der Trainingseifer wieder auf das übliche Niveau. Leider habe ich ab und an auch das Phänomen mit ansehen müssen, dass nach dem anfänglichen Hoch das Training nahezu oder gänzlich aufgegeben wurde. Ich vermute darin ein Denken der Resignation darüber, den gefassten Vorsatz auf Dauer nicht umsetzen zu können und die Reaktion, es dann am Besten ja gleich ganz bleiben zu lassen.

Das empfinde ich als sehr schade, denn es wird nicht bedacht, wie viel Positives trotz des vermeintlichen Scheiterns geschehen ist. Diese Trainingseinheiten, welche mit so grossem Engagement absolviert wurden, die bleiben unabänderlich Bestandteil des eigenen Ich, die wirken für immer nach. Auch der Raucher, der für ein paar Wochen auf sein Laster verzichtet hat, kann aus dieser Zeit Kraft und Mut ziehen, es vielleicht irgendwann einmal doch zu schaffen. Viele Beispiele liessen sich da noch anführen.

Vaclav Havel (tschechischer Menschenrechtler) hat einen wunderbaren Satz geprägt:

Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas einen Sinn hat, egal wie es ausgeht.

Für mich zentriert sich aller Optimismus in diesen so aufbauenden Worten. Ein blühend positives Lebensbild, welches ich mir in Jugenderinnerung als Leitspruch für dieses Jahr und für die Zukunft auserkoren habe. Gerade, wenn Gefühle mich mal wieder bestürmen, das Leben mich umtosen wird, mir dann zu sagen: „Ja, es ist richtig, genau so, wie es ist“.

In diesem Sinne wünsche ich Dir von Herzen alles erdenklich Gute für das 2014, vor allen Dingen Gesundheit und ein erfüllendes Fortschreiten auf Deinem Weg des Karate.

 

2 Antworten auf „Vom rechten Sinn

Oss und Hallo Dieter.

Vielen Dank für deine aufbauenden Worte.
Auch für Dich lieber Dieter, die besten Wünsche für das vor uns liegende Jahr 2014.
Gesundheit, Frohsinn, Glück, Erfolg – Glaube Liebe Hoffnung.
Der Satz von Vaclav Havel triffst. Dem ist nichts hinzuzufügen.
mit liebem Gruß,
OSS! Marcel

Kleiner Prosabeitrag von Reiner Kunze” zum rechten Sinn”:

MÖGLICHKEIT EINEN SINN ZU FINDEN

Durch die risse des glaubens schimmert
das nichts
Doch schon der kiesel
nimmt die wärme an
der hand

Lieber Dieter,

wir hatten in der gemeinsamen Trainingswoche in Kroatien mit Ishikawa Sensei neben den vielen wunderbaren Trainingseinheiten auch viel Zeit und Muße für einen intensiven ud inspirierenden Gedankenaustausch. Dafür an dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön.
In deinen Gedanken und Empfindungen finde ich mich oftmals wider, deshalb bekomme ich beim Lesen und Nachdenken über deine Worte auch immer wie eine leichte Gänsehaut. Es ist schön zu wissen, man ist mit seinen Empfindungen nicht alleine und es tut unendlich gut, sich über seine Gedanken und Empfindungen auch auszutauschen.
Schön, dass es dich gibt und ich dein Freund sein darf.

Hier noch 2 Gedanken meinerseits zum Jahreswechsel:

Man kann die Menschen entbehren,
aber man bedarf eines Freundes.
aus China

Die Kraft der Muskeln ist begrenzt,
die Kraft des Geistes ist unendlich.
Koichi Tohei

OSS

wolfgang

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