Vom Vertrauen und vom Herz

[ Vom Vertrauen und vom Herz ]

Kennst Du das Gefühl, Du stehst im Dojo vor dem Training, weißt darum, dass die nächsten Stunden sehr anstrengend für Körper und Geist werden und fragst Dich, warum Du das denn überhaupt machst?

Ich gebe zu, dass diese Frage immer mal wieder in mir auftaucht und nach einer Antwort verlangt. Diese Antwort kann vielfältig sein, je nach Tagesform sehr unterschiedlich und ist dennoch in einer abschließenden Eindeutigkeit, so meine Erfahrung, nahezu unmöglich zu geben. Ich habe mehr und mehr aufgehört, nach dieser schlussendlichen Begründung zu forschen und mit der Zeit wird auch die Frage immer leiser. Es ist mir einfach nicht mehr wichtig zu wissen, warum ich trainiere, ich trainiere einfach. Was daraus folgt? Ich weiß es nicht. Aber ich bin voller Vertrauen in die Kunst der alten Meister, dass über das richtige Training sich mehr und mehr in mir das manifestiert, was dem Gedankengut des Budo entspricht; inspiriert von buddhistischer Spiritualität und holistischem Weltbild.

Dem überlieferten Lehrsystem der Schüler- / Meisterbeziehung liegt in unbedingtem Maße das gegenseitige Vertrauen zugrunde. Der Schüler resp. die Schülerin geben sich vertrauenvoll der Unterweisung des Lehrers hin, der Meister weiß um dieses Vertrauen und um die Größe seiner Verantwortung gegenüber dem Schüler. Diese Methodik ist nicht als blinde Gefolgschaft zu sehen, vielmehr als ein Ausweg aus einem hinderlichen Denken, welches erst einmal alles kritisch hinterfragt. Die Beantwortung ergibt sich sich nämlich erst über das Tun, “ganz von alleine”.

Nun, so mag man mit Fug und Recht anfügen, wem kann man denn heute noch so vertrauen? Nicht wem, so möchte ich da vermerken, sondern was! Ich glaube und weiß es aus ureigenem Erleben, dass auch in dem heute (noch) verfügbaren Karate genügend Elemente beheimatet sind, die uns auf diesem Wege führen und begleiten.

Horche ich in meinen Körper hinein, so spüre ich den Schlag meines Herzens. Unbeeinflusst von meinen Gedanken tut dieses Werk seinen Dienst und hält mich am Leben. Würde sich etwas daran ändern, wenn ich dies permanent hinterfrage? Mein Herz würde auch dann weiterschlagen, aber mein Wohlbefinden leidet. So vertraue ich einfach darauf, dass dieser Lebensmotor das Richtige für mich tut.

Vielleicht ein etwas einfacher Bezug, aber kennen wir das nicht alle, dass wir etwas „im Herzen tragen“ – einfach, weil es so ist?

Das Kaimon Dojo ist aus dem Herzen entstanden. Der Name ‘Offene Türe’ steht für die Beziehung zwischen den Menschen, für die Begegnung.

Auch für Menschen, die sich gegenseitig stärken in der Ausübung der Kunst des Karate. Frei von irgendwelchen Verpflichtungen, Vereinen, Verbänden, Organisationen, Administrationen. Nur sich selber und der Gemeinschaft verbunden. Ist dieser Gedanke heute nicht aktueller in seiner Dringlichkeit, denn je?

Kaimon sollte aber nicht auf das von mir so benannte Dojo beschränkt sein. Binde doch auch Du in Dein Dojo und in Dein Leben immer wieder diesen Gedanken der offenen Türe, des offenen Herzens mit ein. Warum? Wir erfahren es im vertrauensvollen Tun.