In Wellen

WellenDem trüben Wetter ein wenig entfliehen, einen Hauch von Frühling, Sonnenstrahlen erhaschen, glitzerndes Meeresrauschen, Duft nach Süden und Salz. Am Strand sitzend habe ich das Anrollen der Wellen betrachtet und mir kamen in kleiner Versenkung die Begebenheiten des Lebens in den Sinn.

Ich sah mich dem Meer nähern, oder näherte sich das Meer mir? Die Wellen umspielen mich, schmeichelnd, kühl neckend einerseits und aufregend andererseits. Fröhlichkeit macht sich in mir auf, Verlockung und Wunsch, mich diesem Spiel hinzugeben, treiben zu lassen. Freudig und neugierig der Leichtigkeit nachspüren, Körper und Geist dem so tragenden Element anvertrauen, glückliches Sein.

Doch dachte ich für mich, dass nicht immer die Wellen auf ruhigem Pfad wandern, Sturm lässt die friedliche Bewegung in ein wildes Wogen, ein Zerren und Rütteln wandeln. Ungestüme Macht zieht den Sand unter den Füssen fort, lässt den Stand verlieren; strauchelnd suche ich nach festem Untergrund, einer Steinplatte, einem Fixpunkt, der mir wieder Stabilität verleiht, nur um, kaum erreicht, wieder von den wilden Mächten erneut durchgeschüttelt zu werden, zum Schwimmen gezwungen, ein Spielball des Meeres; untergetaucht, umher gewirbelt, nach Luft ringend, kämpfend der Oberfläche zustrebend, vom Wunsch besessen, einmal mehr den Kopf oben zu halten.

Allein, auch dieses irre Geschehen erfüllt mich mit grosser Freude, treibt doch die Urgewalt der Mächte das Blut rasend durch die Adern, verspüre ich meine Existenz in einer Tiefe, die mir im ruhigen Treiben nicht möglich ist, ein Lachen und Weinen gleichermassen macht sich in mir breit.

Meine Gedanken strichen eine Welle in den Sand, doppelten diese spiegelnd und vereinten die beiden Wellen übereinander, bildeten liegend eine Acht vor meinen Augen. Die Wellen des Lebens – ja, unendlich.

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